Whiskybesprechung #201: Waterford Tinnashrule & ein Abend mit Mark Reynier

Vor etwas mehr als einer Woche war ich von Kirsch Whisky zu einem Whiskytasting mit Mark Reynier eingeladen. Verkostet wurden selbstverständlich verschiedene Tropfen aus seiner Waterford Distillery. Der Whisky war aber nur in einer Nebenrolle zu sehen an diesem besonderen Abend! 

It is what it is!

Bevor ich anfange ein Wort der Warnung: Dieser Artikel wird lang! Außerdem ein Wort des Dankes an Kirsch Whisky und Basti (Whisky Germany), die dieses Tasting möglich gemacht haben!

Fangen wir nun aber vorne an. Das Line Up des Abends las sich so: New Make, Hook Head 1.1, Ballymorgan 1.2, Lakefield 1.1, Sheestown 1.2 und Tinnashrule 1.1. Es gab also fünf verschiedene Whiskys und den New Make einer der Abfüllungen. Für uns ging es an den New Make ohne Vorkenntnisse, später am Abend wurde aber aufgelöst, dass er zum Tinnashrule gehört. Ehrlich gesagt hatte ich vor allem diese Kombination für mich ausgeschlossen.

Mark startete in den Abend mit einigen Regeln: 

1. Alles darf gefragt werden.

2. Es wird keine lustigen Geschichten geben. Er kenne keine und erzählen könne er sie noch viel weniger.

3. Stattdessen würde er alles über Waterford erzählen - "It will all make sense!"

 

Danach kam die eigentliche Überraschung. Auf die Whiskys wolle er gar nicht weiter eingehen. Wir wären alle Experten und wüssten, wie man Whisky verkostet. Eine Reihenfolge gibt es auch nicht, da die Abfüllungen sich eben nur auf Grund der Ursprungsfarmen der Gerste unterscheiden. Die oben geschriebene Reihenfolge folgte daher einfach der geographischen Lage des Ursprungs. Mark lies uns also mit den Whiskys alleine, zeigte uns aber, dass er Whisky mit ungefähr der gleichen Menge an Wasser verdünnt. In einem Tumbler. Nimm das, liebe Gläserpolizei!

 

Danach ging es los auf eine zweistündige Reise über wirklich jeden Aspekt zu Waterford. Mark erklärte uns, dass man keinen besonderen Stil für die Brennerei im Kopf hatte, vielmehr sei es einfach das, was es eben ist. Zentral sei für ihn eben die Gerste und ihr Ursprung. Die Idee des Terroir, die er aus der Weinwelt mit in den Whisky gebracht hatte. Es geht um das Mikroklima, das Gestein, die Bodenstruktur und auch die Lage der Farmen. Um diese Besonderheiten herausarbeiten zu können werden alle Abfüllungen möglichst ähnlich gelagert: Weinfässer, Virgin Oak und First Fill American Oak kommen bei allen Abfüllungen zum Einsatz. Abgefüllt wird stets "natürlich" (also ohne Farbstoff und Kältefiltration) und mit 50% Alkoholgehalt. Zum Stil stellt Mark Reynier fest: "After five years we get "barley in your face" as our style."

Terroir Matters

Anschließend stellte uns Mark dar, wie er zu seiner Idee des Terroir gekommen ist. Er selbst stammt aus einer Familie von Weinhändlern und besaß ein Grand Cru Weingut. Im Wein, so sagt er, sprechen alle von Terroir und den Grundprodukten. Beim Whisky sei dieser Faktor in Vergessenheit geraten. Im Whisky sei das Marketing mittlerweile sehr effektiv den Kunden glauben zu machen, dass es nur um die verwendeten Fässer ginge. Die Brennerei selbst würden einfach nur versuchen "the cheapest litre of alcohol" zu produzieren. Dabei würden Brennereien mit langer Tradition ja selbst auch einen Farmhintergrund haben. Nur sei dieser mittlerweile völlig außer acht gelassen. Diese Aussagen lassen sich schon als eine Art Frontalangriff auf die "klassischen" schottischen Single Malts verstehen. Reynier selbst kaufte im Jahr 2000 Bruichladdich und wagte dort erste Schritte im Bereich des Terroir. Nachdem er die Brennerei 2012 verkaufte, sucht er nach einer Möglichkeit diese Idee noch stärker auszubauen. Diese fand er in Irland und kaufte von Diageo eine hochtechnologisierte Brauerei. Mit den ehemaligen Stills von Inverleven baute er die Brennerei Waterford auf.

Der Aufwand hinter den Single Farm Abfüllungen ist enorm: Bei Waterford achtet man penibel darauf, dass sich die Gerste einer Farm an keinem Schritt der Produktionskette mit einer anderen Gerste vermischt wird. Daher muss sie getrennt gelagert, fermentiert und destilliert werden. Ein wirklicher Kostentreiber! Aber nur so könne man die Unterschiede des Terroirs herausarbeiten, sagt Reynier. Ein paar spannende Fakten lies Mark dabei nebenbei fallen: Waterford werde niemals gefinished werden, da man die Eichennoten aus den Fässern haben wolle und nicht den Whisky mit starken Weinnoten überlagern wolle. Er ging sogar so weit zu sagen, dass man sich gegen Finishes wehren solle. Die Kosten für den Fasseinkauf beziffert er auf ca. 7 Millionen Pfund pro Jahr, was 40% der Gesamtkosten ausmache.

Zum Abschluss der zwei Stunden kam eine, für mich dann doch überraschende Aussage: "Single Farm is where we started, Cuvée is where we are going." Wie das zur Idee des Terroir passt? Da bin ich wirklich gespannt!

Waterford Tinnashrule 1.1 - Verkostungsnotizen

Über den Whisky: Der Tinnashrule wurde exklusiv für Deutschland abgefüllt. Wie alle Single Farm Origin Whiskys von Waterford wurde er mit 50% Alkoholgehalt abgefüllt. Anhand des Origin Codes kann man sich sehr viele Details zum Ursprung des Whiskys auf der Internetseite von Waterford anschauen.  Die Fasszusammensetzung liest sich wie folgt:  46% First Fill U.S., 22% Virgin U.S., 15 Premium French, 17% Vin Doux Naturel. Alle Details zur Abfüllung könnt Ihr hier nachlesen.

 

Aroma: Das Aroma beginnt, wie Reynier den Charakter der Brennerei beschreibt: "Barley in your face!" Malzig, getreidig und auch ein wenig erdig erscheint der Whisky im Glas. Ich erkenne auch einen Hauch Vanille und weiße Weintrauben.

 

Geschmack: Anfangs sehr rund, mild mit Weinbergpfirsich und Vanille. Dann viel Getreide, etwas Malz und einer ordentlichen Portion Eiche. Zum Abgang hin gar prickelnd auf der Zunge. Ich befolge den Tipp und gebe ordentlich Wasser hinzu: Der Whisky wird sehr viel weicher, lässt gar etwas Banane erkennen. Die Mischung aus 50% Whisky und 50% Wasser ist mir dann doch etwas zu lasch, ich bin eher für Whisky als Whiskyschorle. Aber ein paar Tropfen Wasser tun dem Whisky gut!

 

Abgang: Mittellang, aber kräftig. Bitterschokolade und viel Eichenwürze.

 

Abschließende Gedanken: Ich nutze diese Rubrik um ein Fazit für den gesamten Abend zu ziehen. Das Tasting (oder eher der Vortrag?) von Mark Reynier war überaus spannend. Man merkt, dass der Mann für seinen Whisky brennt, das Terroir bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist und auch ein wenig, dass ihn die "klassische" Whiskyindustrie über alle Maßen nervt. Zumindest habe ich einige Aussagen so verstanden. Es war definitiv ein Erlebnis Mark einige Stunden lauschen zu dürfen und so einen klitzekleinen Einblick in das Wissen einer Ausnahmepersönlichkeit des Whiskys zu erlangen. Zum Whisky selbst? Nun, ich habe zu Waterford schon in der Vergangenheit gesagt, dass ich die Idee und das Konzept großartig finde. Dabei bleibt es auch. Ich habe aber auch gesagt, dass der Whisky mir nicht so recht passen will. Dabei bleibt es weiterhin, wenn auch eher in Teilen. Ich habe gemerkt, dass die Zugabe von Wasser die starke Gerstennote, die ich immer als etwas "stumpf" wahrnehme, zurücktreibt. Dann zeigen sich feinere, süßere Aromen. Ich bin mir sicher, Waterford wird tollen Whisky machen, das zeigt sich schon im New Make. Aber ich glaube auch, dass er noch ein paar Jahre mehr im Fass liegen kann. Aber das ist ja nur meine Meinung.

 

Malt Moment: Mit einem Schwung Wasser (packt doch mal die Pipette weg!) ein wundervoller Sommerabend-Dram!

 

Weitere Informationen:

 

Kategorie: Single Malt Irish Whisky

Destille: Waterford

Region:  Irland

Preis: ab 69€

50%

Kältefiltration: nein

mit Farbstoff: nein

Gelagert in: Ex-Bourbon, Virgin Oak, French Oak, Vin Doux Naturel

 

Mehr Informationen:

Whiskybase  

Waterford Distillery

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