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Vor Ort: Launch Event von Mammoth Whisky (Grumsiner Brennerei)

Das Mammut ist los in der Uckermark! Vor einigen Wochen wurde ich zusammen mit Aaron von Drams United in die Uckermark eingeladen. Der Grund dafür war die Markteinführung der ersten Whiskys der Grumsiner Brennerei: Ein 4 ½ Jahre alter Single Malt in Fassstärke und ein Single Grain Whisky. Was das jetzt alles mit einem Mammut zu tun hat und noch vieles mehr lest Ihr in meinem heutigen Eventbericht!

Von Hamburg in die Uckermark

Disclaimer: Ich wurde von der Grumsiner Brennerei eingeladen. Dafür möchte ich mich gerne ganz herzlich bei Thomas Blätterlein und Jana Riethausen bedanken. Ein Einfluss auf redaktionelle Inhalte wurde selbstverständlich nicht genommen.

„Was? Ich habe verschlafen? Wie spät ist es eigentlich?“ Ich wache auf, drehe mich und schaue auf mein Handy. „2:17“ steht dort. Puh! Der Klassiker aller Alpträume hatte mich an einem, wie sich noch herausstellen sollte sehr verregnetem Mittwochmorgen, erwischt. Ganz so früh musste ich dann doch nicht aufstehen.

Machen wir einen kleinen Zeitsprung: Um 4:55 Uhr klingelt der Wecker dann wirklich, ich schleiche durchs Haus, packe meine sieben Sachen und mache mich mit der S-Bahn auf in Richtung Hauptbahnhof. Dort muss ich ein paar Minuten warten, bis Aaron eintrifft. Dankenswerter Weise mit einem Franzbrötchen für mich. Aber die Wartezeit ist halb so schlimm, auch um kurz nach 7 ist Gleis 8D des Hamburger Hauptbahnhofs einigermaßen interessant. Nun, vielmehr die Menschen.

Nachdem unser ursprünglicher Euroregio ausgefallen war ging es nun mit dem ICE nach Berlin. Die Fahrt an sich ist eher ereignislos, was bei einer Fahrt mit der Deutschen Bahn wohl eher als positiv zu sehen ist. Aaron und ich betreiben eine letzte Vorbereitung: Was sind denn uckermarkische Spezialitäten? Ehrlich gesagt sind wir da nicht so bewandert, aber es soll ja ein Mittagessen geben, da muss man schon wissen, was auf einen zukommt.

In Berlin haben wir eine Stunde Aufenthalt, bevor es mit der Regionalbahn gen Angermünde geht. Eine Stunde weitere Fahrt verstreicht – ereignislos! – und wir stehen auf einem kleinen Bahnhof. „Grüner Jeep“ murmeln wir und entdecken einen braunen Dacia Duster. „Ne, der kann es nicht sein.“ Der Blick geht weiter über den Parkplatz, da steht tatsächlich ein Jeep, der ist aber eher schwarz. „Kann ja nicht so schwer sein!“, denken wir uns und gehen den Bahnsteig entlang und durch das Bahnhofsgebäude. Auf der anderen Seite steht ein Jeep: Grün und mit Mammut auf der Seite. Außerdem der Schriftzug: „Grumsiner Brennerei“. War dann im Endeffekt doch nicht so schwer zu finden!

Neben dem Jeep steht ein Mann und redet mit einem Paar – frisch verheiratet in der Brennerei, wie wir noch erfahren sollten. Wir gesellen uns dazu, stellen uns vor und finden heraus, dass wir vom Chef höchstpersönlich abgeholt werden. Die Fahrt führt uns von Angermünde weiter in die südliche Uckermark. Entlang von Wäldern, sanften Hügeln und viel Grün. Selbst an einem so verregneten Tag wie diesem konnte ich erkennen, wie schön und urtümlich diese Region ist. „Die Uckermark ist nicht so dicht besiedelt, ungefähr so stark wie die Mongolei.“, sagt Thomas Blätterlein. Ich bin geneigt ihm zu glauben.

Die Landschaft erinnert ein wenig an die schottische Speyside oder an das Auenland aus Herr der Ringe: Sanfte Anhöhen, irgendwie ruhig und entspannt. Die Eiszeit hat für das heutige Erscheinungsbild und bietet auch die Verbindung zum Mammut, welches bisher das Logo der Grumsiner Brennerei war und nun eine Weiterführung im Whisky erfährt. „Mammoth Whisky“ ist der gewählte Name.

Nach 10 Minuten Fahrt kommen wir an der Brennerei an, die auf einem alten, ehemaligen Gutshof liegt. Die Nordseite des alten Vierseitenhofs steht auch heute noch, der Großteil wurde allerdings nach der Wende abgerissen. Wir gehen eine Treppe im Hauptgebäude nach oben und gelangen in einen wunderschönen Raum, der gleichzeitig Brennblase und Shop enthält. Durch die Feinbrennblase läuft gerade der Grumsiner Gin und der Raum duftet wunderbar nach Orange und Zitrus. Der Ausblick über das Gelände ist großartig, wenn auch etwas grau an diesem Tag. Durch einen Ofen ist es schön warm und ein Tee steht für uns bereit.

Nah an der Natur

Einige Minuten später sind alle Gäste eingetroffen: Radio, lokale Zeitung, Berliner Szeneblatt. Zu meiner Überraschung sind wir die einzigen Blogger oder „Whiskyexperten“ (wenn wir uns denn so nennen wollen).

Das eigentliche Programm beginnt mit einer Führung durch die Brennerei. Wir gehen die Treppe hinunter und halten kurz auf dem kleinen Hofplatz, wo Herr Blätterlein uns ein wenig die Geschichte des Hofes näherbringt. Allerdings drängt uns das Wetter dann schnell ins Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Hier steht ein Maischebehälter und wir sprechen ausgiebig über das verwendete Getreide. Das Besondere an der Grumsiner Brennerei ist ihre Verbundenheit zu Region und Ökologie. Für den Single Grain Whisky wurde "Ostpreußischer Eppweizen" verwendet, eigentlich eine Sorte, die heutzutage keine Anwendung mehr findet. Der Ertrag liegt einfach deutlich unter anderen Hochleistungszüchtungen. Mit Rudi Vögel vom Vern arbeitet Blätterlein mit einem Experten im Bereich des Getreides zusammen, und diese Zusammenarbeit geht sogar so weit, dass Vögel in der Pressemitteilung als Mitschöpfer des Whiskys genannt wird. An seinem Wissen kratzen wir höchstwahrscheinlich nur oberflächlich, einige klangvolle Getreidenamen kommen dennoch dabei rum: "Ostpreußischer Eppweizen", „Dr. Franks grannenabwerfende Imperialgerste“ oder "„Braunes Schindelmeiser“ (Mais).

Klassische Whiskykunst in der Uckermark

Das Schroten und Maischen von alten Getreidesorten ist für Blätterlein jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Einige Sorten kleistern stark, die Gärung ist in Teilen schwer zu kontrollieren. Insgesamt lässt er sich daher auch bis zu 5 Tage für die Fermentation Zeit, ehe es zum Brennen geht.

Der Brand selbst geschieht in zwei Schritten: Zuerst wird ein Raubrand hergestellt, bei dem der gesamte Brand verwendet wird. Eine Aufteilung in Vor-, Mittel- und Nachlauf findet an dieser Stelle noch nicht statt. Erst in der zweiten Destillation, die auf der Brennblase im Verkaufsraum vollzogen wird, findet diese Trennung statt. Aufgrund der geringen Gesamtmengen werden Vor- und Nachlauf übrigens nicht verwendet, sondern unter den wachsamen Augen des Zolls vernichtet (dafür bleiben laut Gesetz 14 Minuten Zeit).

Wir bewegen uns weiter in Richtung Fasslager, welches in einem alten Getreidespeicher von 1820 liegt. Der Keller ist mit Lehmziegeln gebaut, die Luftfeuchte ist hoch, das Klima allerdings auch sehr konstant. Eine genaue Angabe zum Angel’s Share konnte ich nicht entlocken, dafür seien die Fässer einfach zu unterschiedlich. Herr Blätterlein und ich einigen uns auf „um die 4%“. Ungefähr 100 Fässer liegen aktuell im Lager, die Tendenz ist dabei steigend. Die Auswahl geht dabei über Sherry, Port, Rumfässer von Martinique und natürlich Ex-Bourbon.  Aaron fragt nach dem Konzept für die Zukunft: „Eher kleine, limitierte Abfüllungen“ ist die Antwort. Abfüllungen, bei denen man vom Getreide über das Einzelfass bis zur Abfüllung den gesamten „Werdegang“ des Whiskys verfolgen könne. Ich bin gespannt, habe aber ehrlich gesagt auch etwas Angst vor den Preisen, die hier vielleicht aufgerufen werden.

Hier unten im Fasslager findet auch die Verkostung statt und wir bekommen jeweils einen großzügigen Dram des Single Grains und des Single Malts. Durch die Temperatur ist es allerdings schwer den Whisky gut zu analysieren – er ist einfach zu kühl. Zum Glück haben wir im Nachhinein noch Proben bekommen, die Verkostungsnotizen entstanden also unter meinen Normalbedingungen!

Nach der Verkostung wartete das Mittagessen auf uns: Brot aus der eigenen Backstube, Wurst und Aufschnitt vom lokalen Metzger und eine Käseplatte kamen nach dem Tasting gerade recht. Die Qualität des Essens sprach auf jeden Fall für sich – schade, dass man aus Hamburg nicht so einfach an die Produkte kommt.

Den Abschluss bildete eine Kremserfahrt (Kutschfahrt) durch die Region, wobei wir durch die Witterung quasi dazu gezwungen waren auch noch etwas vom Obstler, der Pflaume und dem Nussbrand zu probieren. Ein Stück Kuchen gab es natürlich auch noch.

Anschließend folgte die Rückfahrt, welche Aaron und ich uns mit einigen Samples verkürzten. Besonders ein Einzelfass von Penderyn ist mir dabei sehr gut in Erinnerung geblieben, aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.

Um 20 Uhr ging der Tag für mich zu Ende und mit Freude blickte ich der Zugfahrt am kommenden Morgen entgegen (Abfahrt 6:45 Uhr), aber immerhin konnte ich während der Fahrt am kommenden Morgen diesen Text schreiben!

Mammoth Whisky Single Grain - Verkostungsnotizen

Über den Whisky: Der Single Grain trägt den Beinamen "Classic Edition". Er wurde mit 45,8% abgefüllt, nachdem er in Ex-Bourbon und Ex-Rumfässern reifen durfte. Als Getreide wurde, wie bereits geschrieben "Ostpreußischer Eppweizen" verwendet.

 

Aroma: Das Aroma ist direkt sehr einladend und strömt voll aus meinem Glas. Da ist selbstverständlich zunächst viel Vanille, dann kommt das Rum-Finish durch und gibt Melasse- und Zuckernoten ab. Erinnerungen an den Jahrmarkt kommen auf mit Zuckerwatte und dem Geruch von kandierten Leckereien. Ein wenig kommt dann diese leicht klebrige Grain-Note zum Vorschein, die ich hier aber wundervoll eingebunden sehe. Vielleicht ist dies nicht die komplexeste Nase der Whiskywelt, aber sie macht wirklich Vorfreude auf mehr.

 

Geschmack: Sehr weich, angenehm fließt der Whisky auf die Zunge. Direkt kommt wieder der Jahrmarkt zum Vorschein: Sehr süß, fast klebrig (nicht als "Kleber" missverstehen!), Zuckerwatte, Liebesäpfel. Ein richtiger Whisky für Naschkatzen! Dann geht es in die Richtung von kandierten Nüssen, wobei die Nussnote nicht allzu stark ausgeprägt ist. Zum Abgang hin kommt eine leicht prickelnde Würze auf.

 

Abgang: Zugegeben, der Abgang ist der schwächste Part. Relativ kurz, wenn auch weiterhin angenehm würzig-süß verbleibt der erste Single Grain von Mammoth in meinem Mund.

 

Abschließende Gedanken: Dieser Single Grain macht mir Spaß. Wirklich! Mir gefällt diese Betonung der Süße, dieses "Jahrmarkt-Feeling", und ja, vielleicht auch die eher eindimensionale Festlegung auf dieses Geschmacksprofil. Hier wurde durch die Lagerung gekonnt die, meiner Meinung nach, vorhandene Stärke von Grain Whiskys ausgespielt: Das eher leichte und süße Grundaroma. Der Preis ist natürlich nicht gerade niedrig, zumal es sich um eine 0,5 Liter Flasche handelt. Am Ende muss jeder selbst wissen, ob er einer kleinen Brennerei den Vertrauensvorschuss gibt und so einen Whisky kauft. Wer ihn vorher probieren kann wird sicherlich nicht abgeneigt sein!

 

Malt Moment: Gerade kein Jahrmarkt in der Stadt? Kein Problem! Mit diesem Whisky hole ich mir die Kirmes jederzeit ins Wohnzimmer!

 

Zusammenfassung:

Kategorie: Single Grain Whisky

Destille: Grumsiner Brennerei

Region:  Deutschland

Preis: 59€

45,8%

Kältefiltration: nein

mit Farbstoff: nein

Gelagert in:  Ex-Bourbon, Finish in: Rum Casks

 

Mehr Informationen:

Mammoth auf Malte talks Malts

Mammoth Whisky / Grumsiner Brennerei

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Kommentare: 2
  • #1

    Klaus (Freitag, 08 November 2019 13:42)

    Das ist kein Jeep! Das ist ein Land Rover! (Und die Unterscheidung zwischen beiden ist wichtig wie die zwischen Bourbon und Scotch). Trotzdem ein guter Artikel.

  • #2

    Malte (Samstag, 09 November 2019 14:00)

    Hey Klaus,
    sorry, das ist nichts, wo ich mich auskenne. Uns wurde geschrieben, dass wir nach einem "grünen Jeep" schauen sollen, diese Ausdrucksweise habe ich einfach übernommen.
    Und es ist ja auch nur eine Randnotiz im Artikel!

    Viele Grüße
    Malte